Das unsere Tauchlehrerin Lucy dichterisch begabt ist, wussten wir schon. Aber in ihrem neuesten Beitrag zu unserem Flaschenposting nimmt sie uns mit zu einer fantastischen Traumreise durchs Rote Meer. Einfach nur schön …
Die Passagiere der Noras müssen wohl auf dem Weg zu den Inseln, geschaukelt von den Wellen, alle eingeschlafen sein. Denn plötzlich fanden wir uns in einer anderen Welt wieder, einer Traumwelt namens Shaab Dorfa. Diese magische Welt war so anders als unsere Erdenwelt, dass sie bestimmt einer anderen Zeit, ja einem anderen Zeitkontinuum entstammte. Und dass es ein Traum war und wir schliefen wurde uns klar als wir feststellten, dass wir unter Wasser waren und trotz unserer Erdennatur mühelos atmen konnten.
Um uns herum erstreckte sich ein unendlich weites helles Plateau. Überall schwebten zauberhafte Wesen herum und auch wir spürten die Fesseln der Schwerkraft nicht und schwebten, ja flogen dahin. Plötzlich blitzte etwas Silbriges über unseren Köpfen – ein längliches gestreiftes Wesen mit einer langen Schnauze schaute uns an. Gleich dahinter schimmerten zwei große Silberkörper, schossen durchs Wasser und teilten einen blauen Schwarm. Wir glitten friedlich weiter, unter uns bizarre farbige Gebilden, Blumen und Bäumen gleich, umgeben von einem Perlenvorhang zauberhafter Farben. Auf einmal kamen weitere traumhafte Wesen auf uns zu. Das eine dunkel und rund, wie ein gigantischer schwarzer Pizzateig, der sich wellenartig fortbewegte. Hinter ihm zwei magische Tiere, Adlern gleich, die so anmutig und elegant durchs Wasser flogen, dass es uns den Atem verschlag. Überraschend änderte sich die Szenerie – an einem riesigen Steinblock zischten alle Arten regenbogenfarbener kleiner Tierchen, manche in Schulen, andere vereinzelt, sie drängten sich zwischen den bunten blumenartigen Gewächsen, als würden sie zu einem schimmernden Pudding zusammengemischt werden. Durch einen Kanal flutschten wir weiter und fanden noch so ein Traumwesen – es kauerte bewegungslos auf dem Boden, einem Stein ähnlich, und als es sich in Bewegung setzte, kamen seine Schmefterlingsflügel zum Vorschein. Was für ein skurriler und gleichzeitig friedlicher und wunderbarer Traum!
Aufgewacht sind wir bei Erg Sabina. Gnadenlose Strömung kam uns entgegen. Runter zum Grund und Sportlichkeit war gefragt. Kräftig gepaddelt zum Korallengarten, da war es entspannter. Viele Lippfische und Barsche huschten herum, ein Okotpus spielte unsichtbar. Bei fantastischer Sicht erkannten wir gleich den kleinen Nordblock, an dem sich wieder die halbe Unterwasserwelt versammelt hatte. Inmitten der strahlenden Korallen versteckten sich bunte Winzlinge aller Arten. Und dann, hinter dem Block, etwas atemberaubendes – sieben Adlerrochen in Formation. Plötzlich stand alles still. Mitten im unendlichen Blau glitten sie harmonisch dahin, als wären sie magisch miteinander verbunden. Alles verschmolz in Zeitlosigkeit. Zurück zum Boot tauchten wir wie im Trance. Da erwartete uns noch ein ganz junger Red Sea Walkman – einem kleinen Stein ähnlich, mit bunten Schmetterlingsflügeln. Wars doch wieder nur ein Traum gewesen?!




