Kann man tauchen, ohne in den Tauchanzug pinkeln zu müssen und warum ist das überhaupt so? In meinem letzten Blog hab ich ja erzählt wie wichtig es ist, ausreichend zu trinken.
Beim Tauchen spielt sich wissenschaftlich gesehen folgendes ab: Die Blutzirkulation in unserem Körper ist an die Landbedingungen angepasst, wo sich aufgrund der Schwerkraft tendenziell mehr Blut in den Beinen sammelt. Im Wasser dagegen erfährt der Körper zusätzlich zur Schwerkraft eine nach oben gerichtete Auftriebskraft, das Gewicht verringert sich scheinbar. Deshalb können wir schwimmen. Es kommt aber auch zu einer Umverteilung des Blutes. Aus den Beinen gelangt es in die obere Körperhälfte. Der auf unseren Körper wirkende hydrostatische Druck des Wassers trägt auch dazu bei.
Sobald man abtaucht erfährt der Körper einen Wärmeverlust, den wir am Anfang nicht unbedingt spüren. Aber der Körper versucht dann, den Wärmeverlust für die inneren Organe zu vermindern, indem er die Blutgefäße an Armen und Beinen verengt. Sie können dann weniger Blut fassen. In diesem Fall wird die überschüssige Flüssigkeit zum Brustkorb und zum Herzen transportiert. Das Regelsystem unseres Körpers reagiert darauf, weil es annimmt, dass wir ein zu hohes Blutvolumen haben. Das Blutvolumen wird ständig überwacht und zwar von Rezeptoren, die vor allem in den Wänden der Herzvorhöfe sitzen. Registrieren sie zu viel Blut, wird die Niere alarmiert Flüssigkeit auszuscheiden. Zeit für eine Pinkelpause!
Dieser Effekt kann sich durch einen eng anliegenden Neoprenanzug sowie eine leichte Schräglage mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben verstärken. Beides erhöht die Blutmenge im Brustkorb. Der stärkere Harndrang gehört daher zum Tauchen wie viele andere Unterwassererlebnisse. Wegen der Wärme des ausströmenden Urins ist die diskrete Verrichtung auch als „Taucherheizung“ bekannt. Deshalb tauche ich am liebsten in Badeshorts, in denen sich der Harn schnell verflüchtigt (warme Wassertemperaturen vorausgesetzt).
Ansonsten gilt, wer nicht zu oft in den Tauchanzug pinkeln will, sollte mit Plan trinken. Das erste große Glas schon nach dem Aufstehen, dann zum Frühstück die nächsten 1-2 Gläser und wenn ihr an der Basis ankommt das nächste. Sollte es bei der Bootfahrt bis zum Tauchplatz etwas länger dauern? „Richtig geraten“, wieder ein bis zwei Gläser trinken, wobei ein Glas mind. 0,3 Liter entsprechen sollte. Wer so seinen Flüssigkeitshaushalt aufgefüllt hat, der braucht die letzte Stunde vor dem Tauchen nicht mehr trinken und kann sich auf das Pinkeln gehen konzentrieren. Am besten auch noch mal direkt vor dem Tauchgang die letzten Tropfen herausdrücken 🙂 Wenn man Glück hat, hält der nicht vorhandene Harndrang eine Stunde vor. Wenn nicht: einfach laufen lassen, denn ist euer Flüssigkeitshaushalt vollkommen in Ordnung, ist der Urin klar und nicht gelb und riecht auch nicht wirklich nach Urin. Anzug spülen reicht dann schon. Aber natürlich nicht mit unseren Leihanzügen …und nicht vergessen, nach dem Tauchgang weiter trinken!
Hand aufs Herz: Pinkelt ihr in den Tauchanzug?
Eine schöne Woche, euer Blue Brother Helle






8 Kommentare zu "Müssen in den Tauchanzug – muss das sein?"