Immer Montags zum Wochenbeginn gibt es von unserem Course Director Farid in seiner Hurghada Kolumne ganz persönliche Worte zum Leben in Hurghada und zu Themen rund ums Rote Meer. Mal humorvoll und auch mal ernsthaft möchten wir euch Einblicke in unser tägliches Leben hier in Ägypten geben.
Montag, 27.10.2014
Kinder auf See
In der letzten Woche war ich häufig mal wieder auf einem unserer Boote draussen. Mit an Bord war mein Sohn Tamo und, neben anderen Tauchgästen, zwei Familien aus Berlin mit ihren beiden Kindern. Tamo verstand sich als Hamburger Jung´ von Anfang an sehr gut mit den beiden Berliner Knirpsen. Die drei bildeten sofort eine verschworene Gemeinschaft und konnten nicht genug bekommen vom Roten Meer. In einer Endlosschleife kletterten sie an Bord und sprangen in Wasser. Erst von der Plattform, dann von der Bordwand und schliesslich vom Bug. Erst als sie vom Oberdeck springen wollten musste ich mein Veto einlegen. Natürlich gab es während der Rückfahrt auch mal eine Meuterei Bord und der Kapitän wurde kurzerhand abgesetzt und die Kinder übernahmen das Steuer. Ich möchtet nicht wissen, was die anderen Kapitäne über den Zick Zack Kurs unseres Bootes dachten … Jeden Nachmittag stürmten die drei als erstes von Bord und auf den Spielplatz. Der Vorteil für die Eltern: Spätestens um acht Uhr Abends rutschten die Augenlider auf Halbmast und es ging ab ins Bett.
Was Erzieher mit Erlebnispädagogik umschreiben leistet eine Ausfahrt mit einem Tauchboot sozusagen nebenbei. Abenteuer, Spiel, Sport, Kooperation, Vertrauen und Problemlösung spielen hier eine große Rolle. Es gibt wohl kaum einen schöneren Spielplatz als das Wasser. Kinder wollen und brauchen Natur, wenn das dann in der bunten Welt des Roten Meeres stattfindet ist das Entdecken und Erleben für die junge Brut meist ein unvergesslicher Urlaub. Wenn dann noch die Kinder der Kapitäne mit an Bord sind haben wir sogar noch interkulturellen Austausch. Mein Gott, was sind wir pädagogisch ![]()
Übrigens: Den Kindern ist das völlig egal, wie man das Konzept nennt. Es geht darum eine tolle Zeit im warmen Wasser zu haben, zu toben und ab und zu am Buffett sich die Teller voller Pommes zu laden. Um gleich danach wieder ins Rote Meer zu springen …
Montag, 20.10.2014
Ich mag Hurghada
Also ich mag Hurghada. Ok, ich glaube wir sind uns einig, dass Hurghada weit entfernt ist einen Schönhetspreis zu gewinnen – aber die Stadt am Roten Meer hat durchaus eigene Reize. Für mich ist es grade das durcheinander gewürfelte, dass nicht perfekte und das etwas chaotische, dass das Leben hier so anders macht. Wenn ich zum Beispiel durch das alte Dahar laufe, werde ich erinnert an den Anfang meiner Zeit hier – als alles noch etwas beschaulicher war. Ganz anders ist es zum Beispiel dann an einem Donnerstag Abend auf der Mamscha, der so genannten Hotelmeile. Der Donnerstag Abend hat hier den Stellenwert wie in Europa der Sonnabend. Dann ist die Mamscha voller ägyptischer Familien und Touristen, die sich allesamt fein heraus geputzt haben um zu flanieren. Wiederum völlig anders ist es dann an der Marina. Hier gibt es fantastisches Essen bei einem tollen Ausblick über den Yachthafen, wo nicht ganz preiswerte Boote ihren Liegeplatz haben.
In vielen deutschen Städten wird momentan ein gegenteiliges Bild bemängelt. Die moderne Stadtarchitektur sieht doch häufig irgendwie gleich aus. Die Innenstädte von Hamburg, Köln oder Düsseldorf gelten mittlerweile vielen als austauschbar. Die Identität vieler Städte wird durch die Glas- und Stahlarchitektur glatt gebügelt. Es sieht dann zwar alles aufgeräumt und adrett aus aber eben auch ganz schön langweilig. Vielleicht gibt es dort ein zuviel an städtebaulicher Planung um internationalen ästhetischen Standards gerecht zu werden.
Natürlich gibt es auch in Hurghada Ecken bei denen ich sage: Oh, Mann! Aber das ist eben auch der Preis, wenn es bunt, spannend und auch etwas chaotisch ist statt hübsch aber eben auch ganz schön öde. Und ehrlich gesagt, welche Stadt hat schon Korallen, bunte Fische und ab und zu auch mal einen Walhai vor der Tür zu bieten …
Montag, 13.10.2014
Barfuss oder Lackschuh
Vor einigen Tagen lag vor unserer Tauchbasis ein grosses Kreuzfahrtschiff auf Reede. Die riesigen Panoramascheiben glitzerten in der Sonne und die gigantische Grösse war schon beeindruckend. Es handeltet sich um ein moderneres Kreuzfahrtschiff, dass von der Silhouette eher an ein Raumschiff erinnerte als an ein schnittiges Schiff.
An diesem Morgen liefen natürlich auch wieder unsere Boote aus und nahmen scheinbar respektlos direkten Kurs auf das schwimmende Hotel. Gegenüber dem Ozeanriesen nahmen sich unsere Tauchboote wie kleine Beiboote aus.
Aber was für ein unterschiedliches Leben herrschte zu diesem Zeitpunkt hier wie dort. Während es sich unsere Gäste barfuss auf dem Oberdeck gemütlich gemacht hatten, den Fahrtwind und die ägyptische Sonne genossen konnte ich mir förmlich ausmalen wie steif und adrett es auf dem Kreuzfahrer am Frühstücksbuffet zuging. In dem vollklimatisierten Salon sass man gewiss sicher und geschützt aber kriegte eben auch nichts mit von dem Leben da draussen.
Es gibt Tage, da geniesse ich auch ein tolles Frühstück in einem schönen Hotel. Aber die Morgen, die mir in Erinnerung bleiben werden sind die, an denen ich auf dem Weg zu einem Tauchplatz war und die ägyptischen Kollegen mich zu ihrem Frühstück und einem Glas Tee eingeladen haben. Dann sitzt man auf dem Boden und stippt das Fladenbrot in die Schüssel mit dem Foul und geniesst genau diesen Augenblick … barfuss zwischen Sonne und Wellen.
Montag, 6.10.2014
Politiker ins Karussell
Es herrscht Partystimmung in Hurghada. Momentan feiern die Ägypter das sogenannte „Grosse Fest“ oder auch „Opferfest“ genannt. Diese grosse Party dauert vier Tage und bildet eines der wichtigsten Feste in der muslimischen Welt. Für Hurghada bedeutet dies, dass am Abend die Strassen voll sind.
Familien haben sich herausgeputzt und flanieren mit ihren Kindern auf der Hotelmeile. Dazu kommen die Touristen und es ergibt sich ein farbenfrohes Motiv voller fröhlicher Menschen. Für mich ist genau dies ein schönes Bild dafür, dass nicht nur ein nebeneinander der verschiedenen Kulturen und Religionen möglich ist sondern auch ein miteinander. Bis spät in die Nacht sind hier die Cafés voller Menschen und es wird ausgelassen gefeiert. Kinderkarusselle sind in Betrieb und neben so manchem dunkelhaarigen Mohammed oder einer dunkeläugigen Soraya sitzt der blonde Sascha oder die sommersprossige Laura.
Es wäre doch eine schöne Vorstellung, wenn sich Politiker zur Überwindung von Konflikten auch einmal gemeinsam in ein Karussell setzen würden. Die Frage ist ob sich Angela Merkel die Feuerwehr oder den Schwan aussuchen würden. Würde Obama wirklich in das Polizeiauto passen und würde sich der britische Premier Cameron auf das Motorrad trauen. Und wenn sich alle vertragen gibt es am Ende auch noch Zuckerwatte … die Welt könnte doch so einfach sein 🙂






3 Kommentare zu "Hurghada Kolumne Oktober"