Immer Montags zum Wochenbeginn gibt es von unserem Course Director Farid in seiner Hurghada Kolumne ganz persönliche Worte zum Leben in Hurghada und zu Themen rund ums Rote Meer. Mal humorvoll und auch mal ernsthaft möchten wir euch Einblicke in unser tägliches Leben hier in Ägypten geben.
Montag, 30.6.2014
Mein erstes Mal
Ich kann mich noch gut an mein erstes Mal erinnern. Vor einigen Jahren, ok ok, vor mittlerweile richtig langer Zeit hatte ich auch meine erste Erfahrung. Gemeint ist natürlich mein erster Tauchgang. Es war in den Semesterferien in Hamburg und wie das oftmals so ist als Student, war die Kriegskasse nicht wirklich voll. Allerdings gab es in Hamburg – Altona eine Tauchschule vor dessen Schaufenster ich schon oft stehen geblieben war. Dort waren so klangvolle Namen auf einem Werbeplakat zu lesen wie Open Water Dive, Rescue Dive oder gar Divemaster. Nach einem Kassensturz war klar, statt wieder per Interrail Europa zu erkunden sollte diesen Sommer die Unterwasserwelt erkundet werden.
Ich schrieb mich also in einen Open Water Dive Kurs ein. Rückblickend muss ich sagen, dass die Werbung nicht gelogen hat: Es war wirklich eine lebensverändernde Erfahrung, die bis heute hinein wirkt. Doch alles der Reihe nach. Nach einigen Theorieabenden mit Diaprojektor (!) und Ausbildung im Flachwasser wurde es Zeit für die erste Freiwassertauchgänge im Meer. Freiwasser – das wort alleine verspricht ja schon Freiheit und Abenteuer …
In einem Konvoi ging es dann an einem Samstagmorgen in Richtung Ostsee. Ausgestattet mit Anzug, Kopfhaube, Handschuhen und Tauchausrüstung fühlte ich mich schon wie ein verwegener Froschmann. Dann stürzten wir uns in die Tiefe von – fünf Metern. Die Ostsee ist ein sehr flaches Gewässer und zumindest an unserem Tauchplatz habe ich an diesem Tag eigentlich nichts gesehen ausser Sand. Aber als ich das erste Mal den, mit Atemregler ausgestatteten, Kopf unter Wasser steckte war es um mich geschehen. Das Gefühl unter Wasser zu atmen war unbeschreiblich. Als wir uns dann noch scheinbar schwerelos durch die neue Welt bewegten war das ein Wahnsinns Erlebnis. Nun gut, so schwerelos waren die ersten Meter nicht, wie man unschwer an der aufgewirbelten Sandwolke hinter uns erkennen konnte. Aber das war egal, das erste Mal war etwas holprig aber auch sehr schön und dieses Gefühl hält bis heute an.
Was mich natürlich interessiert: Wie und wo war eurer erstes Mal? 🙂
Montag, 23.6.2014
Unterwasser Sucht
Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet.
Wer seinen Kopf das erste Mal unter Wasser steckt und atmet, kommt davon so schnell nicht wieder los. Die Begeisterung für das Tauchen ist verständlich: Das Gefühl von Schwerelosigkeit und des Gleitens durch das Element Wasser ist ein einzigartige Erfahrung. Tauchen ist ein Sport mit Suchtpotential. Das gibt es natürlich auch in anderen Sportarten – der Golfer, der in aller Früh Abschläge übt wird auch von etwas Starkem angetrieben. Aber was wir Taucher jeden Tag erleben ist ein unglaubliches Naturschauspiel. Das Erlebnis fängt ja nicht erst mit den ersten Atemzügen unter Wasser an sondern schon auf der Ausfahrt, wenn das Tauchboot Kurs nimmt auf den Horizont. Um in Neudeutsch zu sprechen, handelt es sich ja um einen Outdoor Sport, der aber beide Elemte betont.
Natürlich, das eigentliche Spektakel und Ungewöhnliche finden wir in der Tiefe. Aber für mich gehört ein Tag auf dem Meer auf einem Tauchboot ebenso zu meinem Sport. Der Luxus den gesamten Urlaub draussen verbringen zu dürfen ist für viele wie Atemholen vom Alltag. Abenteuer, Erholung, Spannung und Ruhe – alle diese Eigenschaften gehören für mich zum Tauchen. Diese verschiedenen Facetten machen das Tauchen für viele Menschen zu solch einer ungewöhnlichen Erfahrung.
Denn egal ob an ein Wrack betaucht wird, an einer steil abfallenden Riffwand vorbei geschwebt wird oder ein entspannten Dive in einem Korallengarten gemacht wird, jeder findet meist in seinem persönlichen Unterwasser Trip, das was er sucht. Also Vorsicht: Tauchen kann süchtig machen.
Montag, 16.6.2014
Endlich wieder Zuhause
Schon der Anflug auf Hurghada hat etwas magisches. Man reckt den Hals um aus dem Flugzeugfenster einen Blick auf die türkisfarbenen Flecken zu werfen. Dort, die grosse Giftun Insel und direkt daneben die kleine Giftun Insel. Abu Ramada ist auch gut zu erkennen und je nach Tageszeit sieht man die Tauchboote als kleine weisse Flecken an den Riffen liegen. Noch eine Platzrunde und die Maschine gleitet parallel zur Küstenlinie in Richtung Landebahn. Die Vorfreude steigt und das Herz klopft schneller, als das Fahrwerk ägyptischen Boden berührt. Endlich wieder am Roten Meer, für viele bedeutet es auch tief im Herzen: Endlich wieder Zuhause! Gleich nachdem die Maschine ausgerollt ist und die Kabinentür sich öffnet, strömt die warme Luft in den Druckkörper des Flugzeugs. Die unverwechselbare trockene Hitze Ägyptens wärmt die verkühlte europäische Seele und schon die Busfahrt zum Terminal ist ein ägyptisches Erlebnis.
Am nächsten Tag ist das Einchecken auf der Tauchbasis schon Routine. Die Tauchtasche gepackt und endlich, endlich geht es wieder hinaus aufs Rote Meer. Das Gefühl von gespannter Vorfreude und Altbekanntem ist eine sonderbare Mischung. Wie viele Tauchgänge habe ich schon hier gemacht und doch ist es jedes mal etwas ganz Besonders, wenn die Wellen nach dem abtauchen über einem zusammen schlagen und das eigene Tempo wieder zum Lebensrythmus wird. Und spätestens jetzt sagen alle Taucher: endlich wieder Zuhause.
Montag, 9.6.2014
Urlaubsgefühle
Als ich heute auf einem unserer Boote unterwegs war, kam das Thema auf, welche Bedeutung Urlaub für jeden von uns hat. Monatelang sehnt man den Urlaub herbei, freut sich auf die Reise und das mehr an Freizeit. Endlich Sommer und endlich Ferien vom Alltag. Wo kann man besser abschalten als auf einem Tauchboot.
Der angenehme Rhythmus von tauchen, essen und schlafen hat schon alle hyperaktiven Managertypen ruhig werden lassen. Dazu kommt noch die fast schon meditative Atmung während des Tauchgangs. Ruhig und entspannt ein- und ausatmen und die Unterwasserwelt an sich vorbeiziehen lassen. Das tägliche Naturerlebnis am Riff bringt uns weit weg vom Alltag. Kein Telefon, kein Schreibtisch, kein Zeitdruck. Der einzige wichtige Termin ist die Abfahrtzeit des Tauchbootes. Einfach nur sein.
Man ist im Urlaub angekommen, wenn erst ein Blick in den Kalender Aufschluss gibt, welcher Wochentag ist. Das Zeitgefühl wird ein anderes, denn der durchorganisierte Alltag wird abgelöst vom Rythmus und der Geschwindigkeit des Urlaubs. Trotzdem geht der Urlaub dann meist viel zu schnell vorbei. Aber einen Trost gibt es ja: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
Montag, 2.6.2014
Von grossen Jungs und kleinen Tieren
Die Sichtungen der letzten Woche waren beeindruckend. Aber die Teufelsrochen und die Hammerhaie, die unsere Tauchgäste in den vergangen Tagen vor die Maske bekamen, waren natürlich die absoluten Highlights. Durch unser Flaschenposting haben wir eine sehr gute Übersicht, welches „Viehzeug“ denn so vor Hurghada herum schwimmt. Kaum ein Tag vergeht an dem nicht Adlerrochen, Delfine oder Schildkröten von unseren Tauchlehrern gemeldet werden.
Dazu passt die Anfrage eines Tauchers oder man sollte vielleicht eher sagen, sie passt eben nicht. Die Frage lautete, ob man denn vor Hurghada denn noch etwas sehen könnte. Der erste Reflex war natürlich zu antworten „Nein, hier gibt es nichts mehr zu sehen!“. Dann würde ja mehr für unsere Gäste und unsere Guides zum schauen bleiben
Aber wir wollen ja hübsch bei der Wahrheit bleiben.
Also verwies ich ihn auf unser Flaschenposting und riet ihm da einfach mal durchzublättern. Sichtlich beeindruckt war er nicht nur von den Sichtungen der grossen Jungs (Napoleons, Riesenmuränen, Walhai) sondern auch von den Erwähnungen des Kleinkrams mit so wohlklingenden Namen wie Rotmeerpalletenstachler, Pyjama Nacktschnecke, Langnasenbüschelbarsch oder Kronensamtfisch.
Eins ist klar: Die Tauchplätze rund um Hurghada können alles zeigen, was das Rote Meer zu bieten hat. Aber dafür braucht es erfahrene Kapitäne, gute Guides und aufmerksame Taucher. Ich wünsche euch einen tollen Start in den Juni und aufregende Sichtungen unter Wasser!






11 Kommentare zu "Hurghada Kolumne Juni"