Ab und zu vermisse ich etwas aus Deutschland, am häufigsten sind es Lebensmittel. Da ich so ein kleiner Schweinefleisch-Liebhaber bin, hab´ ich hier schlechte Karten. Ich hätte einfach mal wieder Lust auf ein frisches Mettbrötchen oder ein Gyros, hach wäre das herrlich. Doch in Ägypten wird Schweinefleisch verpönt, weil es als unrein gilt. Es gibt aus dem alten Ägypten auch einige Mythen bei denen das Schwein nicht gerade gut weg kommt. Oft bringen uns Gäste ein paar Leckereien mit, dann gibt es Frikadellen, Salami, Leberwurst und so weiter. Freuen tun wir uns auch immer wieder über die gute Milka und vernünftigen Käse, denn einiges ist hier nur schwer oder gar nicht zu bekommen.
Aber es gibt sehr gute Alternativen und außerdem ist ein Auslandsaufenthalt auch immer eine kulinarische Reise. Zu meinen Lieblingen gehört auf jeden Fall der Italiener an der Ecke. Ein Italiener in Hurghada? Ja, er betreibt tagsüber eine Bäckerei und wechselt abends zur Pizzeria nebenan mit Lieferservice. Auf beiden Seiten werden Meisterwerke gezaubert. Kein Wunder, dass ich schon zur Stammkundschaft zähle. Auch die einheimische Küche hat mich überzeugt, sehr gerne esse ich „Machschi“, das sind gefüllte Weinblätter mit Reis und Hackfleisch. Letztens war ich mit Freunden in Dahar und wir aßen in einem Restaurant zu dessen Kundschaft selten Ausländer zählen. Es gab „Koscharie“, dabei handelt es sich um ein Linsengericht mit Nudeln und Reis in Tomatensauce, garniert mit Röstzwiebeln und wahlweise Leber. Mit Pfeffer, Salz und Chiliöl würzt man selber nach und dazu wurde noch sauer eingelegtes Gemüse gereicht. Ich hatte die ohne-Leber-Version und fand es wirklich lecker. Kann man empfehlen. Außerdem habe ich mein Lieblingsgetränk entdeckt, es ist der Lemon-Juice. Man bekommt ihn in jedem Lokal angeboten und es ist ein erfrischender und leckerer Softdrink. Wie der Name schon sagt, wird er aus Limetten, Wasser und etwas Zucker hergestellt, auf Wunsch auch mit Minze und das jedes Mal frisch. Auch das saisonale Gemüse und Obst ist ein Gedicht, es schmeckt fabelhaft und ist dazu noch günstig.
Das absolute Highlight jeden Tag ist jedoch das Essen auf den Booten. Ich frage mich immer wieder wie sie es schaffen auf kleinstem Raum und im windigen Fall auch noch bei Welle solch ein Festmahl herzurichten. Das Buffet fängt an bei Aubergine mit Senfsauce und Blumenkohl im Teigmantel. Es geht weiter mit Falafel und Gemüsebällchen, außerdem immer dabei herzhafte Knoblauchsauce mit Kartoffeln sowie Nudeln und Reis mit Sauce. Ein absoluter Knabberspaß ist auch immer das frittierte Brot oder das mit selbst gemachter Kräuterbutter überbackende Baguette. Gemüsepfannen mit und ohne Fleisch oder das ganze in Form einer Pastete im Blätterteig. Alles ist frisch zubereitet und wird mit frischen Salaten gereicht, auf Wunsch der Gäste gibt es sogar Hähnchen oder frischen Fisch in verschiedenen Variationen.
Und die Moral von der Geschicht‘, das Essen hier ist ein Gedicht!
Eure Jessica





