Immer Montags zum Wochenbeginn gibt es von unserem Course Director Farid in seiner Hurghada Kolumne ganz persönliche Worte zum Leben in Hurghada und zu Themen rund ums Rote Meer. Mal humorvoll und auch mal ernsthaft möchten wir euch Einblicke in unser tägliches Leben hier in Ägypten geben.
Montag, 26.5.2014
Betauchbare Geschichte
Wir haben letztens auf unserer Webpage Fotos von unserer Hurghada Wrack Tour veröffentlicht. Obwohl ich diese Tour schon häufig gemacht habe, war ich von der Schönheit der Aufnahmen überrascht. Sie geben eindrucksvoll die Faszination des Wracktauchens wieder. Für manche sind Wracks nur ein Haufen Stahl, der am Meeresgrund herumliegt. Diese Meinung kann ich akzeptieren, auch wenn ich sie nicht teile. Für mich sind Wracks betauchbare Geschichte – denn ohne die Story, die hinter jedem Schiffsschicksal liegt, ist ein versunkenes Schiff entweder nur schön anzuschauen oder eben nicht. Erst der Hintergrund, der nach all den Jahren nach der Katastrophe wieder beleuchtet wird, macht die Geschichte lebendig.
So sind die drei Wracks, die wir im Rahmen unserer Hurghada Wrack Tour ansteuern, ein gutes Beispiel für die spannende Geschichte hinter den Schiffsschicksalen. Das erste Wrack auf dieser Tour ist meist die El Minia, ein ägyptisches Militärschiff, dass während eines der Kriege gegen Israel von einem Kampfflugzeug versenkt wurde. Der damalige Konflikt stand im direkten Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel. Diese wiederum war die direkte Folge der Schrecken des zweiten Weltkrieges.
Das zweite Ziel unserer Tour ist die Excalibur. Dieses ehemalige Tauchsafariboot ging vor vielen Jahren eines Abends in Flammen auf und damit auch die Hoffnungen von Susanna, einer deutschen Pionierin des Tauchtourismus in Hurghada. Daraufhin gründete sie Susannas Taucherhaus, das für viele Jahre eine Institution in Hurghada war und ist.
Das letzte Wrack auf unserer Tour ist die Balena, das alte norwegische Postschiff. Nach ihrer Zeit im hohen Norden wurde die Balena ans Rote Meer überführt und sollte hier Tauchsafaris fahren. Die Finanzierung der Eigner blieb aber aus und so strandete der Kapitän der Balena mit seinem Schiff in Hurghada. Seine Heuer wurde seit Monaten nicht bezahlt und eines Abends brannte die Balena aus und sank hinunter zu ihrer letzten Ruhestätte.
Wenn sich die Silhouette eines Wracks langsam aus dem Blau erhebt sind dies Momente voller Magie. Auch wenn sich das Meer ein Wrack wieder erobert wird es sozusagen wieder mit Leben erfüllt und zwar als Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen. So schliesst sich in gewisser Weise wieder ein Kreislauf. Geschichte hört eben niemals auf!
Montag, 19.5.2014
Pippi Langstrumpf in Ägypten
Mein sechsjähriger Sohn ist momentan ein grosser Fan von Pipi Langstrumpf. Ich musste auch an das sommersprossige Mädchen aus Schweden denken, als wir in der letzte Woche über die geplanten Zeitumstellungen in Ägypten berichtet haben.
Frei nach dem Motto “Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt …” hat die ägyptische Regierung beschlossen etwas an der Uhr zu drehen. Die Herren der Zeit haben sich das in etwa so vorgestellt.
Nun fragt man sich natürlich, um es mal etwas flapsig zu formulieren, was soll der Quatsch?
Letztendlich soll das Hin- und Herstellen an den Uhrzeigern die Zeit des Ramadan etwas erträglicher machen. Wahrscheinlich ist es allgemein bekannt, dass es während des Fastenmonats für Muslime verboten ist zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu essen und zu trinken. Aufgrund der Zeitumstellung können die Gläubigen dadurch theoretisch eine Stunde früher wieder Nahrung zu sich nehmen.
Unter diesem Gesichtspunkt habe ich für diese Uhrendreherei sogar Verständnis. Denn wer einmal, aus welchen Gründen auch immer, auf Nahrung verzichte musste weiss: Das nervt! Von daher kann ich für mich feststellen: Ein kleiner Dreh an meiner Uhr, aber eine grosse Erleichterung für die Ägypter.
Montag, 12.5.2014
Grösser, schneller, weiter … oder doch einfach nur geniessen
Wir berichten ja nun schon seit einiger Zeit in unserem Flaschenpostings von den täglichen Fahrtzielen und den täglichen Sichtungen. Natürlich berichten wir in diesen Meldungen vorwiegend von aussergewöhnlichen Tierbegegnungen und Erlebnissen und da konnten wir in den letzte Wochen ja auch einiges berichten. Von kleinen Schwertwalen bis zum Walhai haben unsere Gäste ganz schön was vor die Maske gekriegt.
Letzte Woche kam dann eine Meldung unserer Tauchlehrerin Diana, dass ihre Taucher am Carless Reef waren. Und obwohl nichts Spektakuläres gesehen wurde, fanden unsere Gäste diesen Platz so eindrucksvoll, dass sie dort auch den zweiten Tauchgang des Tages machen wollten. Ich meine, darum geht es doch, dass wir als Taucher nicht den Blick verlieren für das allgegenwärtig Schöne des Tauchens. Klar, es ist immer ein ganz besonderes Ereignis mit einem Leopardenhai oder zwischen Delphinen zu tauchen. Aber eigentlich ist es doch so, dass wir bei jedem Tauchen stets etwas Ungewöhnliches erleben und sehen, dass für die meisten Menschen verborgen bleibt.
Die Naturwunder des Roten Meers sprechen bei jedem Tauchgang für sich und ziehen jeden aufmerksamen Taucher in seinen Bann. Denn oft sind es auch die Kleinigkeiten, die uns interessiert innehalten lassen. Und wer weiss: Ohne Ruhe und Entspanntheit wären wir vielleicht an der farbenfrohen Nacktschnecke einfach achtlos vorbei geschwebt. Für viele von uns bedeutet doch unser Hobby das Eintauchen in eine andere Welt.
Montag, 5.5.2014
In der Ruhe liegt die Kraft
„Kann ich nicht gleich auf eine Ganztagestour gehen?“ …. diesen Satz hören wir auf der Tauchbasis nicht selten. Bis auf wenige Ausnahmen beginnen alle unsere Tauchgäste mit einer Halbtagestour. Wir nennen diesen ersten Tauchgang auch schlicht Eingewöhnungstauchgang. Das hört sich vielleicht etwas sperrig an, trifft aber den Sinn ziemlich gut. Oftmals werden wir bestürmt, ob man denn nicht gleich auf eine Ganztages Tour gehen könnte. Wie schon beschrieben, bis auf sehr wenige Ausnahmen bestehen wir auf dieses Format des Eingewöhnungstauchgangs. Warum sind wir in dieser Sache so dogmatisch? Um es schlicht zu sagen: Weil es richtig ist.
Ich denke, wir Taucher sind uns darüber einig, dass Hektik beim Tauchen nichts zu suchen hat. Und hier liegt auch der Grund dieses Eingewöhnungstauchgangs. Im Urlaub sollte Abschalten das Ziel sein. Um das zu schaffen, muss man erst einmal runterkommen. Das gelingt meist nicht, wenn man den Urlaub mit Zeitdruck beginnt. Der Einzelne holt sich im Urlaub das zurück, was im Alltag zu kurz gekommen ist aber dafür bedarf es nicht nur einer räumlichen Entfernung von zu Hause sondern auch einer emotionalen. Deswegen heisst es von uns dann auch häufig: „Komm doch einfach erst einmal an“.
Die Gründe liegen auf der Hand: Man hat Zeit länger zu schlafen, da diese Tour erst später startet. Ganz in Ruhe wird noch einmal der Basis Ablauf erklärt um dann mit einem Boot hinaus zu fahren. An Bord ist der Tauchlehrer beim Zusammenbau der Ausrüstung behilflich („Wo kommt noch einmal dieser Schlauch hin, das ist ja schon wieder so lange her“
). Angekommen bei einem Tauchplatz, der von der Tiefe her moderat ist, wird noch einmal ohne jede Hektik die Bleimenge angepasst. Wer möchte geht danach am Abstiegsseil herunter um zu sehen ob es auch mit dem Druckausgleich klappt. Jetzt wird einfach erst einmal wieder unter Wasser geatmet. Schließlich ist das für viele nach einer Tauchpause schon aufregend genug. Die zuvor besprochenen Übungen werden wiederholt und dann geht es mit dem Guide endlich dahin, weswegen man eigentlich hier ist: Fische und Korallen schauen, das warme Wasser geniessen und einfach die Hektik des Alltags hinter sich lassen. Im wahrsten Sinne des Wortes einfach Abtauchen. Ganz nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft!





